Eben nicht „nur das Anno“

Liebe Lesende, liebes Publikum,

nachdem uns als ALSO-/ADIDO-Team in den letzten Jahren immer öfter eine Art Anspruchshaltung bei gleichzeitigem Schulterzucken unserer Arbeit gegenüber aufgefallen ist, möchten wir einige Dinge klar stellen und transparent machen.

Wir organisieren jede Woche (mit Ausnahme von Juli und August und einigen wenigen Feiertagen) zwei Lesungen.

Das sind über 80 Lesungen im Jahr!

Damit sind wir in Wien mit die aktivsten Literaturveranstaltenden und das auf Vereinsbasis. Konkret heißt das, wir sind kein Unternehmen mit Angestellten, keine Dienstleistenden, sondern drei Privatpersonen, die das alles stemmen.

Kommunikation mit den Lesenden, per Mail, per privater Nachricht, per Telefon, Planen des nächsten Jahresprogramms, Förderansuchen, Abrechnungen, Kommunikation mit Förderstellen, Blog-Betreuung, Social Media-Betreuung, Newsletter, Werbung, Verwaltung der Finanzen etc etc etc.

Und das alles tun wir neben unseren „eigentlichen“ Jobs und Privatleben.

Entgegen der Annahme, die vielleicht manche haben, wir würden das als „richtige Lohnarbeit“ machen, arbeiten wir nämlich beim ALSO/ADIDO, weil wir daran glauben, dass niederschwellige Lesungsangebote enorm wichtig sind um gerade jungen oder neu zum Schreiben Gekommenen einen Einstieg zu ermöglichen und auch noch nicht publizierten Texten Wertschätzung in Form einer Einzellesung zukommen zu lassen.

Die Covid-Pandemie hat uns, vielleicht auch entgegen einiger Annahmen, nicht „weil eh keine Lesungen waren“, zurücklehnen lassen, sondern uns ca. das Dreifache an Arbeit wie sonst beschert. Wir haben es dabei geschafft, alle Lesungen, die erst ausfallen mussten, nachzuholen. Das war nicht nur aufgrund der Planungsunsicherheit ein riesiger Organisations- und Kommunikationsaufwand, sondern hieß auch, keine Sommerpausen zu haben und teilweise drei bis vier Mal die Woche für eine Lesungsmoderation im Cafe Anno zu stehen.

Als Verein suchen wir immer um neue Förderungen etc. an, um Lesenden ein möglichst faires Honorar zahlen zu können. Wir wissen dabei, dass wir weit vom empfohlenen Honorar der IG Autorinnen Autoren für eine Einzellesung entfernt sind und finden das scheiße.

Dass wir von den öffentlichen Förderungen abhängig sind, bedeutet auch, dass das Honorar bei uns leider pro Saison schwankt, je nachdem mit wie viel (oder eher wenig) wird gefördert wurden. Das heißt, dass du vor drei Jahren vielleicht doppelt so viel Honorar für eine Lesung

bei uns bekommen hast wie jetzt und das heißt auch, dass Unterschiede zwischen ALSO- und ADIDO-Honoraren entstehen.

Zur Niederschwelligkeit des ALSO/ADIDO gehört für uns auch, für die Lesungen keinen Eintritt zu verlangen. Dafür geht danach ein Hut herum, wobei das Honorar für die Lesenden natürlich fix ist und nicht vom Hut abhängt. Als Verein sind wir auch von diesen Hutspenden abhängig.

Das heißt: Wenn ihr keine Werbung für eure Lesung macht, kommt kein/weniger Publikum und dann müsst nicht nur ihr in einen leere(re)n Raum hineinlesen, sondern auch wir in einen leere(re)n Hut hineinschauen. Und das ist auf Dauer für niemanden gut.

Wir wünschen uns, dass uns Veranstalter*innen mit demselben Respekt begegnet wird, den wir euch als Lesende und als Publikum entgegen bringen.

Wenn ihr euch als Lesende denkt: „Ah, es ist eh nur das Anno, ist eh wurscht.“, dann bitte sagt uns lieber gleich gar keine Lesung zu.

Autor*innen „nachrennen“ zu müssen, um Ankündigungsmaterial rechtzeitig zu bekommen, super spontane Absagen oder gleich ganz Vergessen-Haben, dass man bei uns liest, keine eigene Werbung gemacht haben, all das macht für uns enormen Mehraufwand und den können wir nicht leisten.

Denn wir freuen uns auf jede weitere Lesung bei uns, auf eure Texte und euch als Publikum und das wollen wir eben auch weiterhin!

Euer ALSO-/ADIDO-Team